Im Laufe der neunten Kampagne auf der Macchiabate in Francavilla Marittima wurden vier weitere Gräber im Areal Est der Nekropole freigelegt.

Im Sommer 2017 wurden die Gräber Est 8 bis Est 11 ausgegraben. Während im oberflächlichen Grab Est 8 kaum Beigaben festgestellt werden konnten, zeigten sich die übrigen drei Gräber als umso interessanter.

Im Grab Est 9 befand sich wiederum eine Frauenbestattung mit aussergewöhnlich reichem Trachtschmuck (vgl. dazu Est 5 aus dem Jahr 2016).

Das dicht daran anschliessende Grab Est 10 barg eine Doppelbestattung von einem etwa 6-jährigen Kind und einer erwachsenen Person, zwischen 20 und 30 Jahren. Beim Hals des Kindes lag ein Terrakottafigürchen, wohl mit einer Amulettfunktion. Ausserdem fanden sich im Grab eine eiserne Lanzenspitze sowie ein Messer und zwei Webgewichte aus Lehm.

Auch im vierten und letzten Grab konnten zahlreiche Beigaben freigelegt werden, darunter eine bronzene Rippenschale.

Während der achten Kampagne auf der Macchiabate in Francavilla Marittima wurden vier Gräber in zwei unterschiedlichen Arealen der Nekropole ausgegraben.

Areal Strada

Die Untersuchung des Areals Strada wurde mit der Freilegung des im Norden des Bestattungsbereichs gelegenen Kindergrabes Strada 19 vorläufig abgeschlossen.

Areal Est

Seit 2015 steht das Bestattungsareal Est im Fokus des Projekts. Im Sommer 2016 wurden hier drei Gräber freigelegt. Besonders zu erwähnen ist das Grab Est 5, in dem eine rund 30jährige Frau mit aussergewöhnlich reichem Trachtschmuck bestattet war. Der gesamte Oberkörper war mit Schmuck aus Bernstein und Bronze bedeckt. Ringe, Fibeln, Zierscheiben, Perlen und Ketten aller Art schmückten Hals und Brust der Verstorbenen. Die Frau trug eine Haube mit Bronzeverzierungen. Ein Spinnwirtel und zahlreiche Bronzeknöpfe lagen oberhalb des Kopfes, sie zeugen von Beigaben aus Textil, die heute nicht mehr erhalten sind.

Mit dem Grab Est 6 wurde bereits das dritte Schwertgrab vom Baser Projekt entdeckt. Die Schwerter werfen die Frage auf, ob Waffen in den Gräbern von Francavilla über ihre Bedeutung als Statusabzeichen hinaus auch als Ausdruck allgemeiner Spannungen und Unsicherheiten zu bewerten sind, wie sie möglicherweise mit der Ankunft von Griechen und Orientalen auftraten.

Das dritte Grab im Areal Est ist ein an das Männergrab angrenzende Kindergrab, Est 7.

Die siebte Grabungskampagne in der Macchiabate-Nekropole von Francavilla Marittima führte zur Entdeckung und Freilegung von sechs Bestattungen in zwei unterschiedlichen Arealen des Gräberfeldes. Ausserdem wurden die Funde eines zerstörten Grabes im Rahmen einer Rettungsgrabung geborgen.

Krieger im Areal Strada

Gegenstand der Basler Untersuchungen seit 2009 ist das Areal Strada: hier wurden während der Kampagne 2015 das monumentale Grab eines ca. 25-jährigen Mannes und ein kleines Kindergrab zu Tage gefördert. Besonders wichtig scheint das Männergrab zu sein. Unter den Beigaben befanden sich eine gut erhaltene Lanzenspitze und ein Kurzschwert, beides aus Eisen. Ausserdem enthielt das Grab zwei eiserne Geräte (eine Axt und einen Dechsel) sowie eine reiche Geschirrgarnitur. Die aussergewöhnliche Ausstattung kennzeichnet den Mann als Krieger und Angehöriger der lokalen Elite aus der Zeit vor der Gründung der griechischen Kolonien in Unteritalien.

Untersuchung eines Tumulus

Während der Kampagne 2015 begann die Universität Basel mit der Erforschung eines neuen Areals östlich der "Strada" mit dem Ziel, die Entstehung und Entwicklung eines Tumulus zu beleuchten. Im neuen Grabungsbereich wurden mehrere Gräber identifiziert, darunter mindestens zwei Bestattungen von Kleinkindern. Besonders erwähnenswert ist das Grab eines älteren Mannes, der mit einem grossen Eisenschwert ausgestattet war. Auch im neuen Areal scheinen die Gräber noch der vorkolonialen Zeit anzugehören.

Rettungsgrabung

Schliesslich konnte das Basler Team ein durch Bauarbeiten zerstörtes Grab aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. dokumentieren und dessen Funde sichern. Dazu gehören eine Statuette aus Ton und drei Anhänger aus Bronze in Form eines menschlichen Paares, das sich gegenseitig umarmt. Darstellungen dieser Art stellen vermutlich ein Götterpaar dar und sind ausserordentlich selten, ihre Konzentration in einem einzigen Grab ist bislang einzigartig. Aufgrund des anthropologischen Befundes scheint das Grab von einem Kind zu stammen. Die anthropomorphen Darstellungen dürften zu seinem Schutz beigegeben worden sein.

Dokumentation der Gräber in den Tumuli der Temparella und im Cerchio Reale

In Rahmen eines Valorisierungsprojektes der Gemeinde von Francavilla Marittima im archäologischen Park hat das Basler Team ausserdem die von P. Zancani Montuoro erforschten Gräberareale im Bereich der Temparella und des Cerchio Reale in ihrem heutigen Zustand zeichnerisch dokumentiert.

Während der sechswöchigen Kampagne im Sommer 2014 wurden fünf Gräber des 8. Jhs. v. Chr. untersucht. Vier davon befanden sich im bereits in den Vorjahren untersuchten Areal Strada, das fünfte in ca. 30 Meter Entfernung, am Rande eines landwirtschaftlich genutzten Privatgrundstückes.

Areal Strada

In diesem Areal wurden zum einen drei eng nebeneinander angelegte Gräber zutage gefördert (Strada 13, 14 und 15). Besonders erwähnenswert ist dabei die Bestattung einer ca. 50 jährigen Frau (Strada 14), die sich durch ein ganz erhaltenes Skelett und reichen, intakt erhaltenen Trachtschmuck aus Bronze sowie mehrere Tongefässe auszeichnet. Bemerkenswert ist auch der osteologische Befund: Die Frau hatte die meisten ihrer Zähne bereits zu Lebzeiten verloren, ein eindringliches Zeugnis der prekären Lebensbedingungen, unter denen selbst die Angehörigen der Oberschicht zu leiden hatten.

Nördlich von dieser Gruppe lag das Grab Strada 16. Mit einer Grösse von ca. 4.3 x 2.9 m gehört die Anlage zur Typologie der „monumentalen Fossagräber“ mit einer Umrandung aus grossen Steinen und einem Boden aus flachen Kieseln – ein Typ, der im Areal Strada bereits mehrmals belegt ist. Das Grab, das insgesamt eher schlecht erhalten war,   enthielt vermutlich den Leichnam einer Frau, die u. a. mit mehreren Tongefässen und mit einigen sehr grossen Bernsteinanhängern bestattet worden war.

Weitere Funde

Das fünfte, in diesem Sommer untersuchte Grab (De Leo 1) verdankt seine Entdeckung dem Zufall. Es wurde bei landwirtschaftlichen Arbeiten angeschnitten und konnte von der Universität Basel im  Rahmen einer Rettungsgrabung freigelegt werden. Das Grab ist in mehrerer Hinsicht aussergewöhnlich. Es handelt sich um die Bestattung eines herausragenden Mannes, der mit den Insignien seiner Macht bestattet worden war. Neben einer grossen eisernen Axt sowie mehreren bronzenen Fibeln, Ringen und Bernsteinanhängern sind insbesondere die Gefässbeigaben hervorzuheben. Dazu gehören u.a. ein grosser Bronzekessel und ein mit geometrischen Motiven bemalter Krater, zwei Gefässe, die der einheimischen Welt in Form und Funktion fremd sind und von der Intensität der Kontakte zwischen den indigenen Eliten Italiens und ihren Standesgenossen in Griechenland und im Vorderen Orient zeugen.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Grabung standen drei Gräber. Zum einen wurde das Grab eines Neugeborenen, das in einem grossen Vorratsgefäss bestattet wurde, erforscht – ein sog. Enchytrismos-Grab. Zum anderen wurden die Grabstätten eines 4 bis 6-jährigen Kindes und einer Frau ausgegraben.

Das Kindergrab (Strada 12) besteht aus einer grossen Grabgrube von ca. 2.9 x 1.9 m und weist eine Auskleidung aus Flusskieseln auf. Der Boden aus flachen Steinen wurde nur im Zentrum des Grabes ausgelegt. Die Leiche und die Beigaben lagen in der Mitte dieser Steinpflasterung. Unter den Beigaben befanden sich zwei Bronzefibeln, Bronzeanhänger sowie ein feinkeramischer Askos.

Das Frauengrab (Strada 11) weist die selben architektonischen Charakteristiken auf, besitzt jedoch monumentale Masse. Mit einer Länge von ca. 4,8 und einer Breite von rund drei Metern handelt es sich um eines der grössten Gräbern der ganzen Nekropole. Unter den Beigaben fanden sich unter anderem eine Zierscheibe aus Bronze mit einer langen Kette und Hunderte von Bernsteinperlen, die im ganzen zentralen Bereich des Grabes verteilt waren. Sie stellen die Archäologen vor ein Rätsel: Gehörten sie zu einem spezifischen Bestandteil der Tracht der toten Frau oder zierten sie ein Tuch, in das die Verstorbene eingehüllt war? Im Grab befanden sich ebenfalls zwei grosse feinkeramische Vorratsgefässe, eine davon enthielt eine kleine Tasse.

Zwei davon befanden sich am südlichen Ende des erforschten Areals und wiesen eine schlichte Bauweise auf. Die Bestattungen lagen in einfachen rechteckigen Gruben, die weder Boden noch Steinauskleidung aufwiesen, und waren von grossen Steinen und Geröllen bedeckt (Strada 7, Strada 9). Auch die Ausstattung der beiden Bestattungen ist bescheidener als jene der monumentalen Gräber, die in den Vorjahren untersucht wurden.

Besonders erwähnenswert ist das dritte Grab (Strada 8): Es handelt sich um die Bestattung eines Kindes , das in einem monumentalen kreisförmigen Steingrab von ca. 2.6 m Durchmesser und ca. 0.6 m Tiefe beigesetzt wurde. Die Beigaben bestehen aus vier Tongefässen , einem Eisenmesser und reichem Trachtschmuck aus Bronze und Bernstein.

Hervorzuheben ist dabei ein kleiner Bronzeanhänger mit der stark abstrahierten Darstellung zweier sich umarmender Menschen. Er gehört zu den frühesten menschlichen Darstellungen in Francavilla.

Die Entdeckung des herausgehobenen Kindergrabes ermöglicht neue Einsichten in die sozialen Struktur der eisenzeitlichen Siedlungsgemeinschaft von Francavilla Marittima. Die Tatsache, dass das Kind eine Bestattung erhielt, die sich in Grösse, Lage und Beigabenreichtum eng an die Gräber der Erwachsenen anschliesst, darf als Zeichen eines Gesellschaftsmodells gewertet werden, in dem die Zugehörigkeit zur Elite durch die familiäre Abstammung bestimmt wurde.

Während der Grabungskampagne 2011 konnten zwei Gräber unterschiedlichen Typs freigelegt werden.

Das erste ist eine monumentale Anlage von rechteckiger Grundform (4,3 x 2,8 m) mit gerundeten Ecken (Strada 5). Es entspricht dem aus den Vorjahren bekannten Typus des Fossagrabes mit einer mit Steinen ausgekleideter Grabgrube und einem Boden aus flachen Kieseln. Auch in diesem Fall dürfte ein kleiner Steintumulus die Grablege überdeckt haben. Das Grab enthielt die Überreste eines erwachsenen Mannes, der als Krieger und Angehöriger der lokalen Elite charakterisiert ist. Zu beiden Seiten des Körpers waren Waffen deponiert: eine Lanze aus Bronze und mindestens eine Lanzenspitze aus Eisen. Aussergewöhnlich ist die Bronzelanze: sie ist die erste bisher bekannte Bronzewaffe aus der Macchiabate-Nekropole und weist eine reiche eingeritzte Verzierung auf der Spitze und auf dem Lanzenschuh sowie einen mit zahlreichen Bronzeblechen verkleideten Schaft auf. Auf Grund des Materials und der Form ist anzunehmen, dass die Lanze nicht als Kampfinstrument, sondern eher als Rangabzeichen gedient hat.

Das erste ist eine monumentale Anlage von rechteckiger Grundform (4,3 x 2,8 m) mit gerundeten Ecken (Strada 5). Es entspricht dem aus den Vorjahren bekannten Typus des Fossagrabes mit einer mit Steinen ausgekleideter Grabgrube und einem Boden aus flachen Kieseln. Auch in diesem Fall dürfte ein kleiner Steintumulus die Grablege überdeckt haben. Das Grab enthielt die Überreste eines erwachsenen Mannes, der als Krieger und Angehöriger der lokalen Elite charakterisiert ist. Zu beiden Seiten des Körpers waren Waffen deponiert: eine Lanze aus Bronze und mindestens eine Lanzenspitze aus Eisen. Aussergewöhnlich ist die Bronzelanze: sie ist die erste bisher bekannte Bronzewaffe aus der Macchiabate-Nekropole und weist eine reiche eingeritzte Verzierung auf der Spitze und auf dem Lanzenschuh sowie einen mit zahlreichen Bronzeblechen verkleideten Schaft auf. Auf Grund des Materials und der Form ist anzunehmen, dass die Lanze nicht als Kampfinstrument, sondern eher als Rangabzeichen gedient hat.

In der Kampagne 2010 wurde eine weitere reiche Frauenbestattung freigelegt (Strada 4).

Die Verstorbene war mit opulentem Trachtschmuck beigesetzt worden, wovon abermals mehrere hundert Zierknöpfe, Bernsteinperlen und mehrere bronzene Anhänger zeugen. Ausserdem enthielt das Grab zwei lokal getöpferte Ollae, eine davon mit gut erhaltener “a tenda”-Verzierung, sowie eine scheibengedrehten Tasse. 

Von grossem Interesse ist ein Webgewicht aus Impasto mit eingeritztem Labyrinth-Muster, das enge Parallelen unter den Funden aus dem Heiligtum auf dem Timpone della Motta besitzt. Bemerkenswert ist ausserdem die Beigabe einer kleinen Silberschale, die stark fragmentiert aufgefunden wurde. Die Schale ist ein Unikum in der Nekropole und stellt wohl ein Importstück dar. Wie beim Grab Strada 2 (Kampagne 2009) sind die Wände der gerundeten Grabgrube mit grossen Steinen verkleidet. Der Boden war wiederum mit flachen Kieselsteinen ausgelegt; und auch in diesem Fall ist anzunehmen, dass das Grab ursprünglich von einem kleinen Steinhügel überdeckt war. Obwohl die Verfüllung teilweise gestört aufgefunden wurde, scheint die Bestattung nicht geplündert gewesen zu sein.

Zu Beginn der Kampagne 2009 wurden an diversen Stellen der Macchiabate-Nekropole geomagnetische und Georadar-Untersuchungen durchgeführt. Dabei konnten eine ganze Reihe von potentiellen Gräbern lokalisiert werden, u.a. auch im Areal nördlich des Grabes Strada. Parallel zu den Ausgrabungen wurde mit der topographischen Vermessung von Teilen der Nekropole begonnen mit dem Ziel durch die Kartierung eine Vorstellung von der Verteilung der oberflächlich sichtbaren Gräber und der grossen Tumuli im Gelände zu erhalten.
Die Ausgrabung konzentrierte sich auf eines der nördlich des Strada Grabes entdeckten Gräber (Strada 2).

Die grosse, in den Boden eingetiefte nahezu rechteckige Grabgrube ist mit Flusskieseln ausgekleidet und besitzt einen Boden aus flachen Steinen. Die Anlage war ursprünglich von einem kleinen Tumulus aus Geröllen überdeckt. Das Grab enthielt die Bestattung einer Frau. Die meisten Beigaben gehören zum Trachtschmuck der Verstorbenen – darunter mehr als 600 bronzene Zierknöpfe, die ursprünglich wohl auf Kleider, Hauben und Schleier aufgenäht waren. Unter den keramischen Beigaben ist ein lokal hergestellter, scheibengedrehter Krater auf hohem Fuss hervorzuheben, der in Form und Herstellungstechnik vom Einfluss der griechisch-geometrischen Keramik zeugt.

Westlich des grossen Frauengrabes wurde eine weitere, kleine Struktur freigelegt, bei der es sich vermutlich um eine stark gestörte Kinderbestattung handelt (Strada 3).